Fri06222018

Last updateFri, 16 May 2014 2pm

Erlebesschatz und Weltanschauung von Kindern

Die Weltanschauung des Vorschulkindes distinguiert sich essenziell von dem Weltverständnis des Erwachsenen. Das Kind hat einen minimalen Erlebensschatz und mag bislang nicht diskursiv denken. Als alleinigen Beziehungspunkt hat es sich selbst, seine Wünsche, Emotionen und Erfahrungen;

die Dinge aus Entfernung sehen, sie vorurteilsfrei erfassen, kann es bislang nicht.

Mithin nimmt es an, daß solche mit denselben Kennzeichen und Fähigkeiten ausgestattet sind wie es selbst (Egozentrismus).

Die unbelebte Welt wird vermenschlicht, sie ist nichts vom Menschen Abgekoppeltes. Beweggrund und Effekt können in ihrer Korrelation bislang keineswegs gesehen werden (mangelndes Ursachendenken). Auf die Fragestellung 'warum?' gibt es für das kleine Kind allein die Erfüllung einer Perspektive (Finalismus).

Alles hat seine gänzlich bestimmte Aufgabe in der Weltanschauung des Kindes. Das Denken des Kindes ist metaphysisch. Naturphänomene werden infolge geheimer Kräfte und höherer Mächte entfacht. Deswegen entsteht eine Weltanschauung glaubend an die metaphysischen Gestalten der Kinderstube und der Märchengeschichten.

Das Denken ist zusätzlich prälogisch und rezeptionsabhängig. Es kann keineswegs abgeleitet und generalisiert, und ein Verlauf kann nicht als invertierbar vorgestellt, werden. Das Bewusstsein für Entwicklungen fehlt oft bzw. die Abschätzung von Modifikationen ist einzig an die Perzeption gebunden.

Egozentrismus und Anthropomorphismus bewirken eine starke emotionelle Besetzung der Umwelt. Positive und nachteilige Emotionen und Erlebnisse vereinen sich mit Menschen, Objekten und Orten, welche lediglich akzidentellen Verknüpfung mit den Ereignissen haben (physiognomische Auffassung der Umgebung). Gefühlsmäßige Konditionierungen in diesem Alter mögen die Grundhaltung des Kindes zu seiner Umwelt bedeutend beeinflussen.

Der Kulminationspunkt der kleinkindhaften Weltanschauung fällt ins 4. Altersjahr und wird dann mit der Zeit abgebaut. Der gewichtige Schritt zur Reduzierung der magischen Weltauffassung ist die Kenntniserlangung der Kondition der Eigenbewegung alles Lebenden.

Unbelebten Dingen werden nun keine menschlichen Eigenarten mehr zugeschrieben, das Denken wird immer wirklichkeitsnäher. Etwa Ende der Vorschulzeit beginnen sich Erfahrung und Denken miteinander zu decken und die Generalisierung von Einzelerlebnissen wird realisierbar.

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