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Last updateFri, 16 May 2014 2pm

Verständnis und Mitleid

Es ist stark in uns verwurzelt und widerfährt uns so ungeplant wie Beklommenheit. Ohne Mitleid gäbe es keine keine Hilfsbereitschaft untereinander. Ein mitleidloser Erdenbürger wird mehrheitlich als unsympathisch empfunden.

Unsereins selbst möchten freilich mitnichten jene Regung in anderen wachrufen.

Denn Anteilnahme hat eine Kehrseite. Einmal im Jahr zelebrieren Kinder St. Martin, welcher mit seinem Ross durch die Winterlandschaft reitet und von einem zerlumpten Armen am Reiseweg um Beihilfe anfleht wird. Der gute Mann erwäg nicht lange, zerschlitzt seinen warmen Mantel mit dem Säbel und überreicht die eine Hälfte dem Habenichts.

Die gütige Tat trägt ihm bis auf den heutigen Tag Wertschätzung ein – und den Kindern Naschwerk. Varianten von Anteilnahme sind das Münzgeld, die unsereins in die Kopfbedeckung eines Mittellosen fallen lassen, oder die Geldgeschenküberweisungen für Hilfsprojekte.

Das tätige Verständnis hat nicht nur im Christentum eine lange Gepflogenheit, stattdessen ist sie in allen Weltanschauungen festgemacht. Praktisch ist es ein atavistisches, profund verwurzeltes erbliches Programm, welches scheinbar schon den Steinzeitmenschen das Standhalten der eigenen Art sichern sollte.

Gerät ein Mitglied des eigenen Stammes in eine bedrohliche Notsituation, schrillen ebenfalls bei den anderen Mitgliedern die Alarmglocken, und ebendiese suchen, den lebensgefährlichen Zustand abzustellen, denn: im Kampf versus der Vormachtstellung der Natur wird jeder Gruppenangehöriger benötigt und der Schwund eines Artgenossen schwächt die Horde.

Mitleid scheint wie Angst, eine frühzeitliches Emotion zu sein, welche im ältesten Teil des Gehirns hervortritt, mithin im limbischen System, welches instinktmäßige Rückmeldungsmuster initiiert. Haben wir Angstgefühle, dann wollen wir fortrennen. Überwältigt uns Anteilnahme, dann wollen wir hingehen, etwas Qualifiziertes dagegen verüben.

Der Mensch ist als zwischenmenschliches Geschöpf auf seine Artgenossen angewiesen. Allein kann er eher nicht weiterbestehen. Einfühlungsgabe hilft, Krisensituationen und Aggressionen in der Gruppe zu überwinden. Das gilt bis auf den heutigen Tag. Mit der Fortentwicklung hat darum jede Sozialstruktur ein System der Nothilfe elaboriert... aus aus reiner Selbsterhaltung, indem jeder einmal in Notlage geraten kann.

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